Mittwoch, 28. Juni 2017

Wunder geschehen immer noch

Heute passend zu meinen Zeilen das Lied von Nena "Wunder geschehn" 


Seit 25 Jahren erziehe ich meine vier Kinder, die meiste Zeit alleine. Ich sehe mich nicht mehr als Mutter, sondern als Lebensbegleiter meiner Kinder. Sie zu begleiten in ihr erwachsenes unabhängiges Leben, dafür habe ich unter unseren komplexen, herausfordernden Bedingungen viel getan.

Gerade im Hinblick auf meine älteste Tochter, die mit 6 Jahren durch eine lebensbedrohliche Erkrankung behindert wurde, war das ein suchender Weg, ab von der Norm, was man einem behinderten Menschen zutrauen kann, oder was man aufgrund ihrer Diagnose erwarten kann, was sie mit 25 oder 30 Jahren einmal können wird - ist für mich völliger Blödsinn - sie in eine Norm zu pressen, zu entscheiden was sie können wird und was nicht. Sie beweist mir täglich, was sie noch interessiert und wozu sie bereit ist, mehr lernen zu wollen. 

Die letzten Wochen wollte meine Tochter lernen unabhängig mit den öffentlichen Verkehrsmitteln zu ihrer Arbeitsstelle in einem Einkaufsmarkt für behinderte Menschen zu fahren. 

Die Herausforderung war es, das wir in einem Dorf wohnen, in dem morgens zur Schulzeit, dann um 8 Uhr und wieder um 12 Uhr ein Bus aus dem Ort fährt.....
Was aber in den Schulferien?  Wie kommt meine Tochter da zu ihrer Arbeit, die 18 km entfernt liegt von unserem zu Hause.
Welche Optionen gibt es? Umziehen, näher zu ihrer Arbeit, was heißen würde, das die Jüngste die Schüle wechseln würde?

In den letzten Wochen habe ich viele Ideen gedanklich durchgespielt und seit dieser Woche läuft alles wie am schnürchen: meine Alteste fährt morgens mit den Schülern, muss einmal umsteigen, was auch eine kleine Herausforderung war, weil sie an der Bushaltestelle den für sie richtigen Bus in den richtigen Ort finden muss, doch dank hilfreicher Mitfahrer und Busfahrer, die sie super unterstützen kommt sie täglich pünktlich zu ihrer Arbeit. 

Den Nachhauseweg fährt sie seit dieser Woche ebenso entspannt, weil sie merkt, dass wenn sie ihren Bus verpasst hat, der nächste 30 Minuten später fährt und sie den Anschlussbus nach Hause erreicht. 
Ab und zu hat sie den Anschlussbus nicht erreicht. Seit April bedient sie ihr Handy - das bis dahin für sie nicht vorstellbar war. Doch seit sie Bus fahren gelernt hat, hat sie parallel gelernt ihr Handy zu bedienen, um mir anzurufen um mir zu berichten, das sie gut angekommen ist oder um mich zu bitten sie abzuholen. 

An einem Tag an dem sie ihren Anschlussbus nicht erreicht hatte, bin ich mit ihr an der Bushaltestelle stehen geblieben um ihr zu zeigen, das der letzte Bus zu uns in den Ort kurz vor 18 Uhr kommt. Habe ihr damit Stabilität und Sicherheit vermittelt um ihr zu verdeutlichen: es gibt immer eine Lösung, wenn es der Bus nicht ist, dann ruft sie mich an oder ihre Schwester, die mittlerweile auch Auto fahren kann.

Wunder geschehen - immer noch und es gibt immer eine Lösung :-)



 

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