Mittwoch, 26. Oktober 2016

Das schönste Kompliment

Hallo ich grüße dich herzlich, schön das du meinen Artikel liest.

Seit 25 Jahren erziehe ich meine vier Kinder, die meiste Zeit alleine. Ich sehe mich nicht mehr als Mutter, sondern als Lebensbegleiter meiner Kinder. Sie zu begleiten in ihr erwachsenes unabhängiges Leben, dafür habe ich unter unseren komplexen, herausfordernden Bedingungen alles getan.

Gerade im Hinblick auf meine älteste Tochter, die mit 6 Jahren durch eine lebensbedrohliche Erkrankung behindert wurde, war das ein suchender Weg, ab von der Norm, was man einem behinderten Menschen zutrauen kann, oder was man aufgrund ihrer Diagnose erwarten kann, was sie mit 25 oder 30 Jahren einmal können wird - ist für mich völliger Blödsinn - sie in eine Norm zu pressen, zu entscheiden was sie können wird und was nicht. Sie beweist mir täglich, was sie noch interessiert und wozu sie bereit ist, mehr lernen zu wollen. 

Vor 8 Jahren trafen wir beide eine gemeinsame Entscheidung: sie möchte in einem Einkaufsmarkt für behinderte Menschen arbeiten. 
Schon alleine das ist ein Widerspruch: ein behinderter Mensch und Entscheidungen treffen....weil Menschen mit Behinderung häufig eine Kompetenz abgesprochen wird, so als wäre sie ein ewig kleines unmündiges Kind.

Gestern besuchte ich meine älteste Tochter in ihrem Cap - Markt, in dem sie momentan ein Praktikum absolviert. Bis sie das Praktikum ausüben konnte, war es eine richtige Herausforderung, Gruppenleiter davon zu überzeugen, die der Meinung sind, das sie vieles scheinbar nicht kann, das Praktikum ausprobieren zu lassen.

Immer wieder fällt mir gerade im Hinblick auf ihr Leben auf, wie oft ich schon zu hören bekam, was sie alles können wird und was nicht - und jedes Mal lagen diese Menschen mit ihrer Einschätzung völlig daneben.

Gestern im Gespräch dann mit der Leitung des Cap Marktes, die mir sagte: "Ich habe mich persönlich dafür eingesetzt, das ihre Tochter bei uns bleiben kann".

Wow. Was für ein Kompliment für mich als Mutter und Lebensbegleiter. Es gibt Menschen, die mit meinen Kindern arbeiten, oder sie als Lehrer unterrichten, die spüren, das meinen Kindern etwas sehr Wesentliches mitgegeben wurde und das meine Kinder einfach anders erzogen sind: Kompetenz in ihre eigenen Fähigkeiten und der Glaube an sich selbst, das sie wertvoll sind, jedes einzelne für sich - auch wenn sie durch eine Erkrankung zuerst einmal nichts mehr konnte, erleben musste, wie es ist, mit 7 Jahren noch einmal von vorne alles lernen zu müssen, obwohl sie es schon konnte. Oder wertvoll zu sein, auch wenn die Eltern getrennt sind. 

In diesem Sinne wünsche ich dir, das du gerade, wenn du entschieden hast, oder es entschieden wurde, das du deine Kinder alleine erziehst, deinen Kindern genau das mitgeben kannst: das sie wertvoll sind, genauso wie sie sind!!

Bleib einfach achtsam mit dir und deinen Kindern.

 


 
  


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