Freitag, 29. August 2014

Schwester sein eines behinderten Familienmitglieds

Meine 2.Tochter wird in 2 Tagen 18 Jahre alt.

Als sie 1996 geboren wurde, war ihre große Schwester fünf Jahre alt und gesund. 

1997 erkrankte die große Schwester, da war die Kleine gerade mal 1 Jahr und 4 Monate alt. 

16 Jahre lang ein sehr geprägtes Leben, da sich vieles bis alles um die ältere Schwester dreht, das es viele Termine und Sorgen zu bewältigen gibt.

Einerseits die Zweitgeborene zu sein und dennoch in vielen Bereichen diejenige, die zum ersten Mal etwas bewältigt, etwas umsetzt, was die Große vor ihr nicht getan hat. Radfahren alleine in die nächste Stadt, alleine mit dem Schulbus fahren, alleine shoppen gehen und jetzt die erste sein die den Führerschein macht.  
Es war nicht immer einfach für sie, einerseits die Zweite zu sein und doch die Erste, immer wieder spürbar die innere Zerrissenheit. 

Es war 16 Jahre lang eine Kunst jedem Kind hier individuell gerecht zu werden, jedem individuell seine Stärken zu verdeutlichen und ein Gefühl zu vermitteln, du bist okay, genauso wie du bist.

Immer wieder frage ich mich, wie fühlen sich die Geschwister und die Eltern eines besonderen Kindes?
Jede erste Frage von Aussenstehenden ist "wie geht es ihr?"

Doch die Geschwister, wie auch die Eltern stehen in 2. Reihe, nach ihnen fragen wenige. Wie geht es den Geschwistern in diesem ganzen Gefüge, in diesem ganzen Trubel, der sich oft um das besondere Kind dreht? 
Wie geht es den Eltern, wo schöpfen Eltern Kraft, kommen zur Ruhe?

Die Geschwister, wie auch die Eltern müssen funktionieren.

Gerade deswegen bin ich mega stolz auf meine Tochter, die 18 Jahre alt wird!

Es war nicht immer leicht mit ihr, wir beide brauchten Zeit um uns zusammen zu raufen und Klarheit zu schaffen, aber alles in allem ist sie eine richtig tolle junge Frau, auf die ich mich 1000% verlassen kann, die trotz allem angefangen hat, ihren Weg zu gehen, die trotz einer behinderten Schwester, ihren Stil gefunden hat und mit beiden Beinen voll im Leben steht, die in manchen Dingen unsicher ist, was ich total nachvollziehen kann und dennoch trotz allem ein so liebenswerter Mensch wurde, das ich staunend und demütig dasitze und in mir einfach still werde.
Denn vor 16 Jahren war dies auch lange eines meiner Sorgen - wie soll ich parallel zu der Diagnose für die Große noch mein Augenmerk auf die Sorgen und Nöte für die anderen Geschwister haben.

Erstaunlich für mich heute im Rückblick zu sehen, wie wir gemeinsam das Ruder aus Sorgen gelenkt bekamen, in kraftvolle Umsetzung und konsequentem Dranbleiben und erstaunlich, wie letztendlich doch die Balance gelang, jedem Kind soweit es möglich ist, gerecht geworden zu sein - trotz allem.

 

 

  


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