Donnerstag, 28. August 2014

Meine erste Begegnung mit einem behinderten Menschen

An diese Begegnung erinnere ich mich immer, als wäre es gestern gewesen, dabei war ich damals vielleicht 6 Jahre alt. Wir, meine Eltern, meine Geschwister und ich waren eine Tante und eine Cousine meiner Mutter in Österreich besuchen. Wir übernachteten dort und morgens als wir in die Küche sausten, saß da dieses dünne Mädchen in ihrem Rollstuhl. 
Da ich bis zu diesem Tag so bewusst noch kein Kind im Rollstuhl gesehen habe, gab es eine typische Reaktion von uns Kindern. Wir sausten, so schnell wir in die Küche gerannt waren, wieder raus zu unseren Eltern und fragten erst mal, wer dieses Kind im Rollstuhl ist.

Voller Neugier ging ich wieder in die Küche meiner Tante und beobachtete einfach wie die junge Frau im Rollstuhl sich bewegte, wobei sie Hilfe brauchte. 

Meine nächste Begegnung war die Schwester einer Klassenkameradin von mir und für uns selbstverständlich, wenn sie nach der Arbeit nach Hause kam, das sie mitspielte. Meine Klassenkameradin war zwar manchmal ein wenig genervt, aber für mich und meine Geschwister war klar, die junge Frau gehört genau so dazu bei unseren Spielen.

Immer wieder hatte ich in meiner Jugend Begegnungen mit behinderten Menschen. Ich erinnere mich an einen jungen Mann, der nach der Arbeit immer mit dem Fahrrad bei uns den Hügel runter sauste und wir beteten, das seine Schutzengel ihn beschützen. Für uns Jugendliche, die wir zusammen auf der Straße spielten, war es normal, er gehörte dazu. Seine Mum musste sich nie Sorgen machen um ihn, denn wir achteten auf ihn. 
Seine Sprache verstanden wir nicht immer, aber anhand seiner Hände deutete er sehr genau, was er meinte.

In unserer Straße gab es noch einen behinderten jungen Mann, der nur zu Hause war, mit seinen Eltern weg ging und mit uns nicht spielen wollte oder durfte. Mit diesem jungen Mann kamen wir vor 20 Jahren nicht in Kontakt, erst als seine Mama gestorben war, ging er mehr auf andere Menschen zu. 

Wenn ich heute meine älteste Tochter in ihrer Werkstatt der Lebenshilfe besuche, dann kommt der behinderte junge Mann von damals heute noch auf mich zu und er muss mir jedes Mal zeigen, welche Arbeit er macht und seine Geschichten erzählen, so wie in unserer Jugend, das er z.B. jetzt in einem Wohnheim lebt, dann zeigt er mir seinen Schlüssel und erzählt mir, mit welchem Bus er in sein Wohnheim fährt.

Vor drei Jahren fuhr ich mit meiner ältesten Tochter und meiner Mum Richtung Freiburg, denn kurz vor dem Höllental gibt es eine Gaststätte die Himmelreich heißt, in der behinderte junge Menschen arbeiten. 
http://www.hofgut-himmelreich.de/de/index.php?page=1.0.0  

Für mich war dort die Bestätigung, das Inklusion wirklich funktioniert, wenn man es wirklich will. 

Inzwischen gibt es einige Hotels, Cafés und Restaurants bei denen es normal ist, das dort Menschen mit Behinderung arbeiten. 

In der Schweiz gibt es einen Sternekoch bei Zürich, der zwei behinderte Brüder hat. Nachdem klar war, das er das elterliche Gastgewerbe übernehmen sollte, war für ihn völlig klar, das seine Brüder mit in der Gaststätte arbeiten und nicht jeden Tag weg von zu Hause sein würden.
Allen Widerständen zum Trotz und allen Gegenstimmen, die befürchteten, das Gäste ausbleiben würden, setzte er sich dafür ein, das seine Brüder mit arbeiten und das mit vollem Erfolg auf der ganzen Linie.

An diesen Bespielen sieht man deutlich - die Barrieren und Hürden sind alleine in unseren Köpfen von Menschen die Berührungsängste haben und die lieber alles perfekt haben wollen - in einer Welt in der es diese Perfektion überhaupt nicht gibt, außer vielleicht an den technischen Dingen, wie dem Auto oder Smartphone, aber glücklicherweise sind diese ja nicht lebendig. 




 

 






     

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