Montag, 11. August 2014

Gedanken einer Mama eines behinderten Kindes

Diese Woche las ich in einem Blog eines alleinerziehenden Papas eines behinderten Kindes:

http://alleinerziehenderpapa.de/2014/08/lieber-mitmensch/
 
Lieber Mitmensch,
ich bin ein Elternteil eines behinderten Kindes... 

Sein Text ging anders weiter. Meine Gedanken die ich mit euch darüber teilen mag sind:

Lieber Mitmensch, ich bin ein Elternteil eines behinderten Kindes.
Bei der Geburt meiner Tochter war in keinster Weise klar, das sie mit 6 Jahren eine Behinderung haben wird. Sie wurde gesund geboren und wuchs 6 Jahre lang gesund und munter auf, entwickelte sich völlig normal.

Wenn heute Menschen meine Tochter kennenlernen oder ansehen, wissen sie nicht, welche Geschichte sich hinter dem heutigen äußerlichen Erscheinungsbild verbirgt.
Oft höre ich Sätze des Staunens wenn ich erzähle, das meine Tochter gesund zur Welt kam.

An vielen Aktivitäten haben wir nicht mehr teilgenommen, weil das Leben uns heraus katapultiert hat aus der Normalität. Mir war bei vielen Festen einfach nicht danach, mich über Banalitäten zu unterhalten. Viele Freundschaften habe ich einschlafen lassen, da es kein gemeinsamens Thema mehr gab, worüber wir uns hätten unterhalten können.

Wie geht man damit um, wenn das gesellschaftliche Leben weiter geht und für einen selbst das Leben stehen geblieben ist und die Spur gewechselt hat?

Durch die Erkrankung und anschließende Behinderung meiner Tochter war klar, wir gehören nicht dazu, zu den Eltern deren Kinder von Geburt an behindert sind, auch nicht mehr zu den Eltern deren Kind gesund geboren wurde. 
Als auch noch die Trennung dazu kam, gehörte ich noch weniger dazu....ich frage mich mittlerweile nur: zu was gehöre ich nicht dazu?

Zu dieser Gesellschaft? Ehrlich gesagt, ich habe keine Ahnung...

Auch ich bzw. meine Familie ist Teil dieser Gesellschaft, auch wenn wir eine Randgruppe bilden, gehören wir ebenso dazu, nehmen zwar nur bedingt daran teil, wie Jörg Müller in seinem Blog es so schön beschrieben hat, aber wir haben andere Sorgen und Nöte, darauf zu schauen, dass das Familienleben intakt läuft, das es den Kindern gut geht, sie emotional stabil ihre Kindheit erleben, nach allem.

Eine liebe Freundin von mir sitzt im Rollstuhl ohne Beine und hat ein ähnliches Schicksal erlebt wie ich mit meiner Familie. Das faszinierende an ihr ist, was mich schon seit dem ersten Augenblick wirklich angezogen hat, ihr Strahlen und Lachen das sie der Welt gibt. 

Ich erinnere mich an eine Situation als ich vor Jahren tanzen war und ein Mann torkelnd durch die Reihen ging und jeder der Anwesenden dachte, er wäre betrunken....bis ich mich mit ihm unterhielt und sich herausstellte, das er keinen Schluck Alkohol getrunken hatte, er aber aufgrund eines Unfalles eine motorische Störung hat, das an seinem Laufen aussieht als hätte er Alkohol getrunken.

Lieber Mitmensch, wenn du das nächste Mal einen Menschen siehst, der körperlich anders aussieht als du es gewohnt bist, dann nimm dir die Zeit und betrachte ihn ohne Mitleid, sondern mit deinem ganzen Mitgefühl.

Lieber Mitmensch wenn dir das nächste Mal ein Mensch begegnet, der körperlich anders aussieht, dann nimm dir einfach die Zeit für ein mitfühlendes interessiertes Gespräch mit ihm und urteile nicht gleich, oder habe Mitleid, weil du denkst, die Person sei "arm" dran
Es sind deine Gedanken, die urteilen, wer es schwer hat, oder wer arm dran ist, oder hast du dir schon einmal wirklich die Mühe gemacht und diese Menschen gefragt, ob sie sich "arm" fühlen?

Lieber Mitmensch wenn dir das nächste Mal ein Mensch begegnet der körperlich anders aussieht als du es gewohnt bist, dann sieh die Stärken dieses Menschen. Denn diese Menschen haben Stärken, das erlebe ich im tagtäglichen Umgang mit meiner Tochter, bei denen sie mich immer wieder komplett verblüfft und ich staunend da stehe. 

Meine Tochter ist einer meiner größten Lehrmeister, denn sie hat mich gelehrt, geduldig zu sein, für ihre Rechte zu kämpfen, mich durchzusetzen gegenüber vieler Behörden und Institutionen, zu lauschen, und wirklich zuzuhören, was sie mitteilt wenn sie spricht und dies auch wirklich zu verstehen, an manchen Tagen zu streiten und an anderen Tagen über Kleinigkeiten zu lachen und blödeln, meine Grenzen zu spüren.  

Das Leben lieber Mitmensch ist nicht nur schwarz und weiß, nicht nur normal und behindert, nicht nur gesund und krank, nicht nur einfach oder schwer, .... - die Liste liese sich beliebig fortsetzen.

Das Leben lieber Mitmensch ist Vielfalt in all seinen bunt schillernden Facetten mit allem was dazugehört.

Lieber Mitmensch danke dir für´s Lesen und sei heute vielleicht einfach offen und aufmerksam für die Vielfalt in deinem Leben.

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